Schmetterlinge Siebengebirge

Die Tiergruppe der Schmetterlinge umfasst neben den bekannten und landläufig als Schmetterlinge bezeichneten Tagfaltern auch Nachtfalter, die den weitaus überwiegenden Teil der Schmetterlinge ausmachen und im Volksmund eher verächtlich als Motten bezeichnet werden. Von diesen Nachtfaltern gibt es wiederum einige, die auch tagsüber aktiv sind, wie etwa das Taubenschwänzchen, das kolibriartig vor einer Blüte in der Luft steht und mit seinem langen Saugrüssel Nektar aufnimmt.

Der Lebenszyklus sämtlicher Schmetterlinge erstreckt sich vom Ei über mehrere Larven- und Raupenstadien zur Puppe, um letztendlich als Schmetterling zu schlüpfen und durch die Lüfte zu fliegen. Daran wird deutlich, dass Schmetterlinge neben den Nektar spendenden Blütenpflanzen auch Fraßpflanzen für die Raupen benötigen, weil sich sonst ein Schmetterling gar nicht erst entwickeln kann. Deshalb muss der Schutz dieser Tiere sowohl deren Nektar- als auch deren Fraßpflanzen umfassen, die beide in ausreichendem Maß und in geeigneter Nähe zueinander zur Verfügung stehen müssen.
Während sich der Schmetterling ob seiner Farbenpracht allgemeiner Beliebtheit erfreut, können die Raupen nicht mit der gleichen Sympathie rechnen. Sie sind im Gegenteil einer Bekämpfungswut ausgesetzt und werden als Schädlinge, vor allem in Gärten und Parks, rücksichtslos verfolgt. Da die Raupen jedoch nur einzeln oder in kleineren Gruppen auftreten, richten sie keinen  spürbaren Schaden an und sollten unbedingt geschont werden. Deshalb sollte man den Raupen das ein oder andere Blatt gönnen, um sich später an den Schmetterlingen erfreuen zu können!

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Dieser kleine Tagfalter gehört europaweit zu den streng geschützten Arten und kommt hauptsächlich in feuchten Biotopen mit Beständen des Großen Wiesenknopfs vor. Auf dieser Pflanze findet neben der Nahrungsaufnahme der gesamte Lebenszyklus des Schmetterlings einschließlich der Paarung statt. Nach dieser legt das Weibchen die Eier im Blütenkopf der Pflanze ab, von dessen Blättern sich die Raupen zunächst ernähren. Einige Wochen später lassen sich die Raupen zu Boden fallen und werden von einer ganz bestimmten Ameisenart, deren Duft die Raupen des Falters imitieren können, in das Nest der Ameise getragen, wo sie von dieser gefüttert werden und überwintern. Dort fressen die Raupen zwar einen Teil der Brut, versorgen die Ameisen aber auch mit einem süßlichen Sekret. Nach dem Schlüpfen müssen die Falter das Nest schnell verlassen, weil sie nun den Duft nicht mehr imitieren können und von den Ameisen als Eindringling wahrgenommen und attackiert werden.
Zum Schutz dieses Schmetterlings, dessen Flugzeit von Mitte Juli bis Mitte August reicht, ist es erforderlich, ausreichend extensiv genutzte Wiesen zur Verfügung zu stellen, die erst gemäht werden, wenn die Blüten des Großen Wiesenknopfs vollständig verblüht sind und sich die Raupen des Moorbläulings bereis am Boden befinden. Solche Wiesen sind auch im Siebengebirge selten und entweder durch Nutzungsaufgabe oder -intensivierung (z. B. Pferdebeweidung) gefährdet. Einige können heute im Rahmen des sog. Vertragsnaturschutzes zusammen mit Landwirten erhalten werden.

Waldbrettspiel

Dieser mittelgroße Schmetterling gehört zur Familie der Augenfalter, die auf den Flügeloberseiten dunkle, kreisförmige Punkte mit einem hellen Kern aufweisen, welche wie Augen aussehen. Sein Lebensraum ist der mit Bodenvegetation durchsetzte Laub- und Mischwald, wo er auch im Siebengebirge recht häufig an besonnten Stellen anzutreffen ist. Er ist der einzige Tagfalter, der in geschlossenen Wäldern vorkommt, sofern dort wenigstens kleine, besonnte Stellen vorhanden sind. Dieser Schmetterling wird auch Laubfalter genannt, da er nur sehr selten auf Blüten, oft dagegen auf Blättern von Bäumen oder Sträuchern sitzt. Von einer solchen Sitzwarte aus verteidigen die Männchen ihr Revier gegenüber vorbei fliegenden Konkurrenten, mit denen sie sich wahre Luftkämpfe bieten. Der Falter fliegt in zwei Generationen von Anfang April bis Mitte Mai und von Mitte Juni bis September. In manchen Jahren tritt örtlich auch eine dritte Generation auf, die bis in den Oktober hinein fliegt. Die Falter saugen nur gelegentlich an Blüten, meistens hingegen an austretenden Baumsäften, feuchten Erdstellen, Honigtau und überreifen Früchten.

Russischer Bär

Der Russische Bär (auch Spanische Fahne genannt) ist ein tagaktiver Nachtfalter, der deshalb in der Siebengebirgsregion regelmäßig tagsüber bei der Nahrungsaufnahme an Blütenpflanzen (v. a. Wasserdost), am Rande von Wäldern, an Waldwegen, Felsen und Mauern beobachtet werden kann. Wenn der Falter sitzt, hat er seine Flügel meist geschlossen, so dass nur die schwarz-gelben Vorderflügel zu sehen sind. Die leuchtend roten Hinterflügel sind regelmäßig nur im Flug zu sehen. Die Flugzeit reicht von Anfang Juli bis Mitte September. Den Raupen dienen Brennnesseln und andere Stauden, aber auch Laubgehölze wie z. B. Himbeersträucher als Futterpflanze.

Kaisermantel

Der Kaisermantel ist ein großer, typischer Waldschmetterling, den man an geeigneten Nektarpflanzen im lichten Wald des Öfteren in größerer Anzahl vorfinden kann. Im Siebengebirge hält er sich regelmäßig auf Disteln, Brombeersträuchern, Dost oder anderen Blütenpflanzen entlang breiterer Waldwege, seltener auch auf blütenreichen Waldlichtungen auf. Die Flugzeit der Kaisermantel reicht von Anfang Juli bis Ende September. Zur Paarungszeit kann man bei dieser Art ein besonderes Balzverhalten beobachten, bei dem die Männchen unter den Weibchen durchfliegen und diese mit einem duftendem Lockstoff zur Paarung stimulieren. Gelegentlich sind sich paarende Falter im Doppelpack in der Luft zu sehen. Der Kaisermantel ist in der Roten Liste als gefährdet eingestuft und hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Bestandseinbruch erlitten!

Kleiner Eisvogel

Trotz des Namens zählt der Kleine Eisvogel zu den größeren Faltern. Er kommt in feuchten Laub- und Mischwäldern vor, in denen auch die Fraßpflanzen für seine Raupen, vor allem die Rote Heckenkirsche oder aber Deutsches Geißblatt und Schneebeere wachsen. Seine Flugzeit reicht von Anfang Juni bis Ende August. In dieser Zeit ist dieser Schmetterling eher selten bei der Nahrungsaufnahme an Blütenpflanzen zu sehen, dafür häufiger auf ungeteerten, halbschattigen und feuchten Waldwegen beim Saugen an feuchter Erde, Schweiß oder Tierkot. Die Raupe überwintert in einer Art Tüte, die sie aus der Blattbasis des zuletzt angefressenen Blattes zusammenrollt und sich darin bis zum Frühjahr einwickelt. Dieser Schmetterling ist in der Roten Liste sogar als stark gefährdet aufgeführt, da sein Bestand rapide abgenommen hat.

Zitronenfalter

Die für den Namen verantwortliche, leuchtend zitronengelbe Färbung dieses großen Tagfalters besitzt nur das Männchen, das Weibchen ist grün-weißlich gefärbt und kann daher mit dem Großen Kohlweißling verwechselt werden. Der Zitronenfalter kommt hauptsächlich in Wäldern vor, besucht aber auch Gärten. Unter den Tagfalten hat der Zitronenfalter die längste Lebenszeit. Er schlüpft im Juli, überwintert als Falter und fliegt anschließend erneut vom Frühjahr bis in den Juni hinein. Dieser Schmetterling verbringt die Winterzeit relativ ungeschützt in der Vegetation, indem er sich mit zusammengefalteten Flügeln wie ein Blatt an Zweige von Bäumen oder Sträuchern hängt. Auch Temperaturen bis zu minus 20° C können dem Falter nichts anhaben, da er einen Großteil seiner Körperflüssigkeit ausscheidet und den Rest mit körpereigenem Glycerin vor dem Einfrieren bewahrt.

Schwalbenschwanz

Der größte und auffälligste Tagfalter Deutschlands, der seinen Namen wegen des schwanzförmigen Fortsatzes am Ende des Hinterflügels trägt, ist im Siebengebirge in den offeneren und warmen Fels- und mageren, extensiv genutzten Wiesenbiotopen, insbesondere an der Spitze unbewaldeter Hügel, zu finden. Hier kommt es während der Paarungszeit zu der so genannten Gipfelbalz (Hilltopping), bei der die Männchen über lichten Anhöhen im Wettstreit untereinander die attraktivsten Reviere auskämpfen. Dort finden sich auch frisch geschlüpfte Weibchen ein, so dass sie selbst in Regionen mit niedriger Populationsdichte einen Partner zur Paarung finden. Der Schwalbenschwanz bringt in einem Jahr bis zu drei Generationen hervor; die erste Generation fliegt ab Mitte April bis Ende Juni, die zweite von Mitte Juli bis Ende September und in sehr warmen Jahren kann im September noch eine dritte Generation auftreten.

Auch der Schwalbenschwanz ist in der Roten Liste als gefährdet verzeichnet. Da er sporadisch in der gesamten Siebengebirgsregion auftritt, kann man ihm mit dem Anbau seiner Larvenfutterpflanzen – Möhren, Dill, Fenchel, Pastinake, Weinraute – und der Schonung seiner unverwechselbaren Raupen helfen.