Kriterien Nationalpark Siebengebirge

1. Kriterium „Besondere Eigenart/Wertigkeit“

Das Siebengebirge verfügt über eine Vielzahl von natürlichen Werten, die es europa- und deutschlandweit einzigartig machen

Diese Alleinstellungsmerkmale sind:

  • herausragende geologische Einzelschöpfung der Natur von erdgeschichtlicher Bedeutung:
    Die ältesten Gesteine des Siebengebirges stammen aus dem Erdaltertum (Unter-devon). Der Siebengebirgsvulkanismus begann vor 26 Mio Jahren. Vor 2,5 Mio Jahren wurde die heutige Gestalt des Siebengebirges geformt.
  • größte Vielfalt an Waldgesellschaften in kleinflächigem Wechsel
  • Vorkommen zahlreicher gefährdeter Arten mit 100 Pflanzengesellschaften und 726 Farn-und Blütenpflanzen

2. Kriterium „Naturschutzwürdigkeit“

Das Siebengebirge steht seit dem Jahre 1923 unter Naturschutz. Bereits seit 1869 entstand mit Gründung des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge in Bonn die Keimzelle für den Naturschutz im Siebengebirge und in Deutschland schlechthin.

3. Kriterium „Zustand und Entwicklungspotential“

Nationale und internationale Standards an Nationalparke verlangen, dass sich ein Nationalparkgebiet „in einem überwiegenden Teil in einem vom Menschen wenig beeinflußten Zustand befindet oder geeignet ist, in einen Zustand entwickelt werden kann, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge gewährleistet“.

Bereits heute wird nahezu ein Viertel der Wälder des Siebengebirges nicht mehr bewirtschaftet. 75% der Wälder bestehen aus bodenständigen Laubhölzern. Bereits jetzt könnten 55% der Wälder des Siebengebirges der natürlichen Dynamik überlassen werden. Durch Umbau der Nadelwälder in öffentlichem Eigentum in bodenständige Laubholzwälder könnte der Anteil von Wäldern ohne Bewirtschaftung innerhalb von dreißig Jahren auf 75% erhöht werden. Dann wären die IUCN-Kriterien zur internationalen Anerkennung eines Nationalparks Siebengebirge erfüllt.

4. Kriterium „Flächengröße“

Mindestflächengrößen geben die Richtlinien der IUCN für Nationalparke nicht vor. 74 Nationalparke (= 23%) von 324 international  anerkannten Nationalparken in Europa sind kleiner als 5.000 ha. In Deutschland schreibt nur der Freistaat Bayern in seinem Naturschutzgesetz eine Mindestgröße von 10.000 ha für seine Nationalparke vor. Von den 14 deutschen Nationalparken sind 2 kleiner als 10.000 ha. Der Nationalpark Jasmund gar hat eine Größe von 3.003 ha. Die Flächengröße des Siebengebirges liegt unter 5.000 ha. Seine naturräumliche Geschlossenheit, seine ökologische und geologische Bedeutung machen es allerdings durchaus nationalparkwürdig (s. Kriterien 1 bis 3).