Auftrag des weltweit ersten Nationalparks Yellowstone, 1872

„Zum Wohle und zur Freude des Volkes und der zukünftigen Generationen“

Bundespräsident Richard von Weizsäcker beim Staatsakt zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 zum neuen Verfassungsziel „Natur und Umwelt“

„Es geht um die Verfassungsaufträge, die nicht unter dem Vorbehalt einschränkender Gesetze stehen sollen, sondern den Gesetzgeber wie uns alle verpflichten. Gibt es zur Ergänzung unserer Ziele ein Dringlicheres als den Schutz der Natur in ihrer Rechtlosigkeit? Haben wir eine größere Aufgabe als die Schöpfung zu bewahren und damit die Nachwelt zu schützen? Ich kenne keine.“

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt - Beschluss der Bundesregierung vom 07. November 2007

Bis 2020 soll sich die Natur auf 2 % der Fläche Deutschlands wieder ungestört entwickeln. Die naturnahen Landschaftselemente wie Agrarbiotope oder Waldflächen werden als Rückzugs-gebiete für bestimmte Tier- und Pflanzenarten gebraucht.

Ebenfalls bis 2020 soll die Waldfläche mit natürlicher Waldentwicklung auf 5 % anwachsen.“

Worte von Bundespräsident Horst Köhler am 29. Oktober 2006 in Dresden, anlässlich der Verleihung des deutschen Umweltpreises:

„1839 kaufte die preußische Regierung für stattliche 10 000 Mark den Drachenfels bei Königswinter am Rhein. Damit ersparte sie dem Berg samt seiner malerischen Burgruine das Schicksal als Steinbruch für den Weiterbau des Kölner Doms.
Das war – vor 170 Jahren – nicht etwa ein vorweggenommenes Stück Kulturkampf, sondern eine erste staatliche Naturschutzmaßnahme in Deutschland.“
(Bundespräsident Horst Köhler, am 29. Oktober 2006 in Dresden, anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises)

Rede des Präsidenten Waldemar Lewin bei der Auftaktveranstaltung am 27.06.2008 anlässlich der Gründung des Bürgervereins Nationalpark Siebengebirge e.V. auf dem Drachenfels

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Freunde des Siebengebirges und des Nationalparkgedankens!

Ist es nicht genug, wenn der politische Wille besteht, einen Nationalpark zu errichten?

Und müssen sich da noch Bürger einmischen?

Bei der Entstehung der meisten bis heute bestehenden Nationalparke war es ja eher umgekehrt:

Bürger- und Umweltinitiativen wollten  einen Nationalpark und mussten meist jahrelang um eine Akzeptanz bei Land- und Kommunalpolitik werben und oft mit allen Mitteln kämpfen.

Ich darf Ihnen hier den erst in 2004 abgeschlossenen Kampf um die Errichtung des Nationalparks Kellerwald in Erinnerung rufen, um den mit höchstem bürgerschaftlichem Engagement und mit besonderer Unterstützung auch überregionaler Naturschutzverbände wie Greenpeace BUND und NABU, 18 Jahre lang gerungen wurde, bis  zur politische Umsetzung.

Dies ist hier beim Siebengebirge nicht so, da sich Landesregierung, der Rhein Sieg Kreis die beteiligten Kommunen, der VVS und die FBG für eine Weiterführung des Prozesses zur Umsetzung in eine Ausweisung des Siebengebirges als Nationalpark ausgesprochen haben.

Damit wäre eigentlich „alles in  Butter“ könnte man meinen, wenn es beim angestrebten Nationalpark Siebengebirge nicht  darum ginge, eine neue, ganz andere Verwaltungsstruktur einzuführen, als dies bei allen bisherigen Nationalparken der Fall ist.

Durch einen Zweckverband der beteiligten Grundeigentümer soll eine Nationalparkverwaltung gestellt werden, im Sinne eines „Bürgernationalparks“,  anstelle der bisher allein in staatlicher Hand liegenden Nationalparkverwaltungen.

Diese Verwaltungskonstruktion setzt  auf breitesten Konsens aller Beteiligten - also der Grundstückseigentümer mit Ihren Eigentumsrechten, wie der Naturschutzverbände, der Nutzergruppierungen und der Politik- repräsentativ für alle Bürger.

Und hier fängt es an, schwierig zu werden.

Hatte man bei allen anderen Nationalparken „nur“ einen Meinungsunterschied zwischen Politik bzw. Staat als Nationalparkträger oben  und den Bürger- und Naturschutzverbänden unten, so erleben wir im Siebengebirge ein Meinungsgerangel der Bürger und Verbände sowohl untereinander wie auch gegen die Politik, der man unterstellt den Bürger zu überfahren und zu bevormunden.

In dieser Situation wo sich die Politik weitgehend einig ist, der Bürger aber verunsichert ist durch eine Fülle von Halbwahrheiten, die in der Zeit von der Vorstellung der Nationalparkidee bis zum Vorliegen der ersten Ergebnisse der vorbereitenden Arbeitskreise verbreitet wurde, sehen wir es als notwendig an die Diskussion zu versachlichen und jedem am Siebengebirgsraum interessiertem  Bürger  konkrete Aussagen an die Hand zu geben, um Ihm die Idee in Ihre Zielsetzung aber auch die Verantwortung für ein Ja zum Nationalpark klar zu machen.

Diese Aufgabe zu erfüllen, den Nationalparkgedanken zu fördern und Naturschutz und Naturerleben für  Mensch und Region auch für die Zukunft im Sinne eines Generationenvertrages als Verpflichtung anzusehen, das hat uns 17 Gründungsmitglieder bewegt, den Bürgerverein Nationalpark Siebengebirge am 16. Juni 2008 zu gründen.

(Übrigens auf den Monat 86 Jahre nach Erklärung des Siebengebirges zum ersten Naturschutzgebiet und 122 Jahre nach der Gründung eines Vereins zu Rettung des Siebengebirges unter  Führung des in den Chroniken als ehrwürdig und kampfbereit beschrieben Justizrates Humbroich aus Bonn, an dessen Idee und Haltung wir uns gerne orientieren.) 

Die Einzigartigkeit des Siebengebirges ist uns allen bewusst und auch  bei der öffentlichen Anhörung im Landtag von NRW am 05. Mai 2008  gab es eigentlich keinen Beteiligten, der die Bedeutung und Qualität des Siebengebirges als ältestes Naturschutzgebiet in Frage gestellt hat.

In Frage gestellt wurden Parameter, an denen ein Nationalpark gemessen werden kann und soll, wie z.B. die Flächengröße und ob das Siebengebirge diesen Parametern entsprechen kann.

Diese Parameter sind aber nicht alle verbindlich geregelt, womit es zu unterschiedlichen Auffassungen und Bewertungen kommt.

Ebenfalls gibt es zu Kriterien wie Besucherzahlen, Verkehrsaufkommen und Wegenetz von Ihren Ansätzen her keine verlässlich erhobenen Daten, womit auch hier in alle Richtungen  argumentiert wird.

Lassen Sie mich das kurz verdeutlichen. Bei der Größe für Nationalparke gibt es das Merkmal Großräumigkeit, das allerdings nicht in Hektar definiert ist. Daher gibt es Nationalparke, die national (Jasmund) und international( Bialowitza) auch kleiner sind als das ausgewiesene Gebiet im Siebengebirge. Mit einer Einrichtung eines Nationalparks Siebengebirge befürchten einige allein von der Größe des Gebietes mit 4700 ha die Absenkung noch nicht festgelegter Standards in Deutschland.

Kann die Größe des angedachten Nationalparks Siebengebirge - zumal Sie nicht unter den bisherigen kleinsten Flächen liegt und  darüber nirgends verbindlich  festgelegt ist - zum Ablehnungskriterium führen? Größe vor Qualität?

Schade, dass wir unser aufgeworfenes Siebengebirge mit all seinen Höhen und Tälern  nicht einfach glatt ziehen können, dann wären wir locker über 7800 ha !

Natürlich ist dies nicht ernst gemeint, was die Vermessung angeht, aber der Aufwuchs  und damit die in den Prozessschutz gehende Anzahl der Bäume ist eben um den Faktor 1,7 deutlich höher als in einem Nationalpark anderer Topographie!

Bei den Besucherzahlen geht man von vermuteten 6-3 Mio. „darunter, darüber oder in der Mitte“ aus, ohne auf exakt erhobene Zahlen zurückgreifen zu können. Aus diesen Vermutungen werden die verschiedensten Szenarien erstellt, die in Bezug auf Störfaktoren auf die Natur, aber auch auf die Anlieger und den Verkehr für eine Ablehnung herangezogen werden sollen.

Als verlässlich kann jedoch herangezogen werden der Besucherrückang  in Rhöndorf, wo mit Fortzug der Regierung nach Berlin, Rhöndorf mit dem Adenauerhaus 80.000  Besucher jährlich weniger zu verzeichnen hat. Der neue Nationalpark Eifel, an dessen Kriterien es ja wohl nichts zu bekritteln gibt, zieht nur 130.000 Besucher im Jahr an: Warum sollte dann der Nationalpark Siebengebirge im  Besuchermeer ersticken?

Allein an diesen Beispielen wird deutlich, wie viele Vermutungen und  Unklarheiten  im Raume stehen und damit noch einer sachlichen Klärung und Beurteilung bedürfen, wenn man zu einem positiven Ergebnis kommen will.

Will man eigentlich gar kein positives Ergebnis, sondern hat sich in seiner Ablehnung - gleich ob aus Verbands- oder Privatinteresse heraus- auf das Nein festgelegt, dann wird man auch nicht Verbindliches als harte Fakten weiter dem Bürger verkaufen, ja man wird auch damit auf Stimmenfang gehen, dem Bürger zu erklären, ihm würde der Zutritt zur Natur verwehrt. Das, obwohl das Nationalparkkonzept auf den Menschen als Besucher, der wirkliche Natur erleben will, gleichwertig zum Schutzgedanken aufbaut.                                      

In vielen Veranstaltungen ist der Öffentlichkeit der Nationalparkgedanke näher gebracht und aufgenommen worden.

Alle Nationalparke haben mit Zustimmung und Ablehnung zu kämpfen gehabt. Entstehen konnten Sie nur durch Zustimmung, Zustimmung, die darauf beruhte, dass Mittel und Wege gefunden wurden Konfliktpotenzial ehrlich und fair zu lösen.

Lassen Sie mich an einige Aussagen  von Herrn Kröfges vom BUND NRW  als Ansatz für unsere Aufgabenstellung anknüpfen -

ohne den BUND hier als kritiklosen Befürworter darstellen zu wollen.

In der Landtagsanhörung  führte Herr Kröfges u.a. aus, Zitat: “Alles in allem betrachten wir diese Planung aber als Möglichkeit, diese wertvolle Region weiterzuentwickeln und dort zu einem Zustand zu kommen, in dem die für einen Nationalpark geltenden Kriterien erfüllt werden.“ und an weiterer Stelle: “Man muss deutlich machen, dass bestimmte Kriterien über eine zeitliche Distanz zu erfüllen sind. Es muss nicht alles innerhalb der nächsten fünf oder acht Jahre erreicht werden. Dafür sind eventuell längere  Zeiträume denkbar.“

Diese „kritische Sympathie“, wie Herr Kröfges es ausdrückte, wollen wir bei allen Bürgern und Verbänden einwerben, mit dem Ziel: das Siebengebirge wird Nationalpark.

Der Kreis schließt sich dann vom Ausgangspunkt des Naturschutzgedankens - zum  ersten Naturschutzgebiet und nun auch in  nationaler Annerkennung für die hohe naturschutzfachliche Qualität, aber auch für die Menschen, die sich in mehr als 130-jähriger Tradition diesem Gebiet und seinem Schutz verpflichtet haben.          

Wir werden alles daransetzen, das Vertrauen und die Zustimmung aller - auch der kritischen Bürger - zu gewinnen, auch um die Verpflichtung gegenüber den kommenden  Generationen zu erfüllen, die dieses Kleinod Siebengebirge so erleben sollen, wie wir es erleben dürfen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Erwarten Sie nicht, dass wir uns jetzt Gedanken machen, ob und wie unser Bürgerverein sich in späteren Verwaltungsstrukturen  eines Nationalparks wieder finden kann oder soll.

Nein, wir bieten Ihnen einen anderen Ansatz der Mitbestimmung, bevor es überhaupt zu einer Nationalparkausweisung gekommen ist.

Durch Ihre Mitgliedschaft, durch Ihren Eintritt in den Verein werden Sie die Möglichkeit haben, sich an zu bildenden Arbeitskreisen zu beteiligen, die alle Fachbereiche, die der Nationalpark berührt, abdecken. Vom Naturschutz bis zur Touristik kann sich jeder entsprechend seinen Stärken und Neigungen einbringen. Die Ergebnisse werden an die für den weiteren Entwicklungsprozess Verantwortlichen weitergeleitet und nachverfolgt. Wenn es Ihnen weiter gelingt , auch Ihre Bekannten und Nachbarn hierzu mitzubringen und als Mitglieder zu gewinnen, werden der Einfluss des Vereins und seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit weiter zunehmen.

Wenn Sie aber jetzt schon Fakten schaffen wollen, zuerst einmal ganz für sich, dann bieten wir Ihnen an, Ihre Freude über den Prozessschutzgedanken sofort in die Tat um zu setzten. Im Einvernehmen mit dem Staatswald und Privatwaldbesitzern bieten wir Ihnen an, Baumpate zu werden. Kaufen Sie sich Ihren  Baum  im Siebengebirge und Ihnen wird  garantiert, dass dieser Baum stehen bleibt, bis er wieder in den natürlichen Kreislauf eintritt. Damit setzen Sie ein im wahrsten Sinne des Wortes unverrückbares Zeichen Ihrer Einstellung zum Prozessschutz und zum Nationalpark.

Das ist Mitbestimmung ganz direkt und gilt für kleine und große Bäume.              

Jetzt lassen Sie uns einen Blick aus dem Fenster  werfen und die grüne Decke des Siebengebirges mit seinen Höhen genießen und unseren Vorgängern danken für Ihre Weitsicht und Entschlossenheit für dieses schöne Stück Erde einzutreten.

Mit Anblick der Kuppe des Mehrberges am südlichen Ausläufer wird uns heute nach fast 1 1/2  Jahrhunderten deutlich gemacht, was es bedeutet Mut zu haben für eine bessere „Natürliche Welt“.

Auszug aus einem Schreiben von Umweltminister Eckhard Uhlenberg an 1500 Kritiker des Nationalparkgedankens

„[…] Um einen nennenswerten Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zur Erreichung der auf der CBD formulierten Ziele zu leisten, kommt es […] darauf an, in ausreichendem Maße weitere Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Sinnvoll ist es dabei, diejenigen Wälder zu bevorzugen, die aufgrund ihrer vorhandenen Wald- und Altersstruktur und ihrer besonderen Habitatvielfalt ein besonderes „Startkapital“ mitbringen.
Das Siebengebirge bringt hierfür hervorragende Voraussetzungen mit. Ein nahezu vollständiges Vorkommen der Buchenwaldlebensraumtypen mit allen Übergangsformen, ein bereits heute hoher Anteil bodenständiger Gehölze sowie eine bereits aktuell günstige Baumarten- und Altersklassenverteilung.
Im Vergleich zu anderen Nationalparken ist das Gebiet zwar relativ klein, dafür ist die Effizienz pro Fläche wohl bei keinem anderen Nationalpark in Deutschland so groß, wie dies beim Siebengebirge – bezogen auf die biologische Vielfalt – der Fall ist. Hinzu kommt seine besondere biogeographische Lage im direkten Grenz- und Übergangsbereich zwischen der kontinentalen und der atlantischen Region und als Vorposten für viele wärmegeprägte Tier- und Pflanzenarten am Ausgang des Mittelmeergrabens.
Vor dem Hintergrund, dass das Siebengebirge zu 85% bewaldet ist, kurzfristig über 55% in den Prozessschutz gegeben werden könnten und weitere 25% mittelfristig mit einbezogen werden können, ist die Schutzkategorie „Nationalpark“ die mit Abstand am besten geeignete Form im Vergleich zu den anderen Schutzgebietskategorien.
[…] Ich bin der Auffassung, dass der geplante Nationalpark Siebengebirge die Kriterien des Bundesnaturschutzgesetzes und des Landschaftsgesetzes erfüllen wird.
Hinzu kommt, dass Nationalparke ausdrücklich dafür eingerichtet werden, den Menschen, die Bevölkerung, an die unberührte Natur heranzuführen. Das Siebengebirge ist dazu, wie kaum ein anderer deutscher Nationalpark, durch seine Ballungsräume geeignet und bietet hierfür vielfältigste Möglichkeiten, die mit dem Nationalparkplan und der Nationalparkverwaltung effizient umgesetzt werden können. Das erarbeitete Wegekonzept wird seinen Beitrag zu dem schon oben angesprochenen Miteinander von Mensch und Natur leisten.“
Eckhard Uhlenberg, November 2008